Sinn-Frage

Texte können viel lebendiger wirken, wenn darin Sinneseindrücke beschrieben werden – so steht es in jedem Lehrbuch, und so bestätigt es die Erfahrung. In den Kursen zum Kreativen Schreiben, die ich bisher durchgeführt habe, widmete ich daher immer ganz selbstverständlich wenigstens einen Abend dem Thema „Schreiben mit allen Sinnen“ – bis ich eines Tages die Anfrage erhielt, ob ich Interesse daran hätte, einen Workshop mit Schwerhörigen durchzuführen. Ich sagte „Ja“ und erlebte einen Nachmittag, der mir in mancher Hinsicht Augen und Ohren öffnete. Die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren beim Thema Schreiben sehr befangen und berichteten, wie schwer es ihnen wegen ihres eingeschränkten Hörvermögens gefallen war, korrekt schreiben zu lernen, und wie sehr sie in der Schule darunter gelitten hatten. Eigentlich klar: Wenn ich nicht alle Laute und Silben verstehe, wie soll ich sie dann zu Papier bringen? Tatsächlich hatte ich bis dahin noch nie darüber nachgedacht.

Es wurde ein sehr interessanter und fröhlicher Nachmittag beim Sommerfest im Hörbehinderten-Zentrum in Münster-Hiltrup. Die Kursteilnehmer bekamen einen Eindruck davon, wie viel Spaß das Schreiben in der Gruppe machen kann. Das freute mich natürlich sehr. Darüber hinaus wurde mir auch noch einmal klar, wie groß das Integrationspotenzial von Schreibwerkstätten ist!

Ein spannendes Thema. Bisher habe ich es noch nicht weiter vertieft. Wohl aber habe ich eine neue Workshop-Anfrage – diesmal von der Frauengruppe des Deutschen Schwerhörigenbundes…

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