Horstmann im Frühling

Als ich zum Wintersemester 1987 an die Westfälische Wilhelms-Universität kam, konnte ich ihn noch bei einer Vorlesung im Fachbereich Anglistik erleben: Ulrich Horstmann. Mit seiner Scharfzüngigkeit, seiner ausgefeilten Rhetorik und seinem gezwirbelten Schnurrbart war er anders als jeder Professor, den ich bis dahin erlebt hatte. Ich fand ihn großartig. Ironie des Schicksals: Noch im gleichen Jahr wechselte er als Professor für Anglistik und Amerikanistik nach Gießen – in die Stadt und an den Fachbereich also, die/den ich gerade verlassen hatte.

Hier wie dort lebt er als Literat und Literaturwissenschaftler. Dieses „Doppelleben“ findet auch Eingang in seine Veröffentlichungen, z.B. in sein neustes Werk, „Schreibweise. Warum Schriftsteller mehr von der Literatur verstehen als ihre akademischen Bevormunder“ (März 2014). Seine Veröffentlichungen umspannen nun schon über 40 Jahre: Promoviert hat er 1975 mit einer Studie zu Edgar Allan Poe.

Bekannt wurde Ulrich Horstmann auch durch seine Gedichte, die er teils unter seinem Pseudonym Horst-Ulrich Mann veröffentlicht, z.B. die 2011 als Sammlung erschienenen Kampfschweiger-Gedichte. Zitieren möchte ich aber aus der Anthologie „Schwedentrunk“ von 1989, passend zur Jahreszeit:

Frühling

Alles steht wieder
in Blüte

Es juckt
das Fell
an windstillen Orten

Man macht
sich frei

Tröpfelnd
fahren die Spritzen
in die
Allergiker.

 

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