Der Gründer der Traumstadt

Im Juli 1892 wurde in Münster Peter Paul Althaus geboren, der vor allem als Autor der „Traumstadtgedichte“ bekannt ist. Einen Eindruck von seinem Werk bietet das „Peter-Paul-Althaus-Lesebuch“, das 2002 von Walter Gödden, dem Geschäftsführer der Literaturkommission für Westfalen, in der Reihe „Nylands Kleine Westfälische Bibliothek“ herausgegeben wurde. Althaus zog 1922 nach München, wo er mit großen Autoren seiner Zeit verkehrte, u.a. Stefan George, Frank Wedekind, Thomas und Heinrich Mann und Joachim Ringelnatz. 1923 erschienen erste eigene Gedichte, aber auch Übersetzungen aus dem Französischen („Tartuffe“) und aus dem Englischen (alte indische Lyrik). Sein 1928 erschienener Gedichtband „Das Vierte Reich“ führte dazu, dass Joseph Goebbels persönlich dafür sorgte, dass er aus seiner damaligen Tätigkeit beim Deutschlandsender in Berlin entlassen wurde. Von Dieter Hildebrand ist folgende Einschätzung überliefert: „Althaus suchte mit der Poesie Trost aus der Realität. Und das brauchen wir ja alle.“

Als eine Kostprobe seines Humors erscheint mir das frühe Gedicht, mit dem Walter Gödden das Althaus-Lesebuch eröffnet:

Die Kinder der Inder

Die Kinder
der Inder,
das sind die Inderkinder.
Wenn diese Kinder größer sind,
dann sind sie nicht mehr länger Kind,
dann sind die Inderkinder
erwachs’ne richt’ge Inder
und außerdem noch Sünder
und kriegen wieder Kinder.

Die Kinder dieser Inder
sind Inderkindeskinder;
die bleiben auch nicht ewig Kind,
und wenn sie groß geworden sind,
dann nehmen sie zwecks Zeitvertreib
und zwecks auch sonst ein Eheweib,
und die Familiengründer,
die kriegen wieder Kinder.

Auch Kinder dieser Kinder
sind Inderkindeskinder;
die wachsen auf, die werden groß,
dann geht’s von neuem wieder los:
Sobald sie heiratsfähig sind
(das geht in Indien sehr geschwind) –
was jetzt kommt sieht ein Blinder,
es holt aus dem Zylinder
kein Zauberer geschwinder
die vielen, vielen Kinder –
und immerzu sind’s Inder.

So kommt es, daß in Indien
(das muß man mal verkündigen)
vierhundert Millionen
Inder wohnen.

 

 

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