Wie viel ist der Stadt Münster ihr Profil wert?

Die Stadt Münster hat sich um das Europäische Kulturerbe-Siegel beworben, mit dem die EU Stätten von großer Bedeutung für die europäische Geschichte auszeichnet. Noch ist nicht sicher, ob die Stadt das Siegel erhält – aber eins hat der Rat der Stadt jetzt klar gestellt: Im Etat der Stadt gibt es kein Budget, um eine solche Auszeichnung mit Leben zu füllen. Ein entmutigendes Signal für alle, die sich um das kulturelle Profil Münsters bemühen.

Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass es um Münsters Finanzen nicht gut bestellt ist, nicht zuletzt durch die Folgen der Flut. Natürlich liegt das Geld nicht auf der Straße – in Münster nicht, und anderswo noch weniger. Andererseits zeigen viele Beispiele, dass es sehr wohl möglich ist, Geld zu sammeln, um eine Idee zu unterstützen – wenn diese Idee viele Befürworter hat; wenn Notwendigkeit dahintersteckt oder Begeisterung oder am besten beides. So haben viele Menschen für die Fluthilfe in Münster gespendet, und immer wieder gelingt es hier und anderswo, kulturelle Veranstaltungen mit Hilfe von Fundraising zu realisieren.

Für mich stellen sich also einige Fragen: Wie viel Begeisterung gibt es in Münster für das Kulturerbe-Siegel? Wird es engagierte Menschen geben, die bereit sind, die Werbetrommel zu rühren und Geld außerhalb des städtischen Budgets aufzutreiben? Wie viel ist der Stadt Münster ihr kulturelles Profil wert? Und wie viele Menschen sehen die Chancen – auch die finanziellen! -, die sich durch die Vermarktung des Siegels eröffnen würden?

Die Diskussion um das Kulturerbe-Siegel spiegelt für mich die Gespräche, die ich Ende letzten Jahres geführt habe, als ich die Idee entwickelte, Münsters Literatur- und Kreativszene an den Kriterien der UNESCO-Literaturstädte zu messen und auszurichten. Von Begeisterung gegenüber einer solchen Idee war wenig zu spüren; das überwältigende Gefühl, das mir entgegenschlug, war Skepsis. Münster habe doch schon die Skulptur-Projekte – warum also den Blick auf die Literatur lenken? Münster habe doch schon so viele Siegel – warum über neue nachdenken? Eine Aussage brachte es für mich auf den Punkt: „Münster ist satt.“ Man ist zufrieden mit der Außenwirkung. Mit Ideen zur Literatur zum Beispiel könne man in Telgte wahrscheinlich mehr erreichen, denn die Stadt arbeite noch an ihrem Profil, und das ganz aktiv…

Armes reiches Münster. Ich wünschte mir deutlich mehr „Hunger“ und Elan, damit die Kultur- und Kreativszene der Stadt wachsen kann, statt eines Tages in Selbstgefälligkeit zu ersticken.

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